Umweltberatung Kt. Luzern

Christian Frank (Leiter öko-forum, Umweltberatung Kanton Luzern)

Christian Frank, Umweltberatung Kt. Luzern

KMU innovativ GmbH: Herr Frank, welche ökologischen Themen interessieren KMUs (aller Branchen) die das öko-forum (Umweltberatung Kanton Luzern) berät am häufigsten? Christian Frank: Die meisten Firmen interessieren sich dafür, wie sie Energie und dadurch auch langfristig Kosten einsparen können. Zudem wollen immer mehr Unternehmer auch einen Beitrag zur Energiewende leisten, indem sie erneuerbare Energien beziehen oder selber produzieren. Oft zeigt sich, dass mit kleinen Massnahmen wie beispielsweise der Umstellung der Beleuchtung von Halogen auf effiziente LED langfristig kosten gespart werden können. Weitere Themen sind Einsparungen von Rohmaterial, optimales Recycling und seit das Insektensterben breiter thematisiert wird erfreulicherweise auch die Förderung der Biodiversität auf Firmengeländen.

KMU innovativ GmbH: Welche ökologischen Optimierungen oder Massnahmen werden durch die KMUs mit welchen Investitionen und in welchem Zeithorizont in der Praxis tatsächlich dann auch umgesetzt? Christian Frank:Oftmals werden kleinere Investitionen rasch umgesetzt. Ein Verkaufsgeschäft hat beispielsweise die Umstellung der Beleuchtung von Halogen zu LED prüfen lassen und festgestellt, dass die Investition schon nach 1.5 Jahren amortisiert ist. Der Betrag wurde ins nächste Budget aufgenommen und wird im kommenden Jahr ausgeführt. Für grössere Investitionen sind die Planungs- aber auch Amortisationszeiten etwas länger. Möchte ein Unternehmen die Wärmedämmung eines Firmengebäudes verbessern oder die Umstellung von einer Ölheizung auf Wärmepumpe kombiniert mit Photovoltaik in Angriff nehmen, ist eine fundierte Planung nötig. Hier spricht man von 2-3 Jahren Planung und einer Amortisationszeit von 8-15 Jahren. Für viele Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeinsparung stellt die öffentliche Hand Förderprogramme bereit, zu welchen wir die Firmen beraten.

KMU innovativ GmbH: Generell herrscht die Kritik an Unternehmen, dass diese das Thema Ökologie noch zu sehr zu Marketing- und Margenoptimierungs- Zwecken nutzen, die Bemühungen in bereits mögliche ökologische Massnahmen jedoch noch nicht ausreichend zufriedenstellend sind. Wie ist Ihre Erfahrung und Einschätzung hierzu? Christian Frank: Glücklicherweise haben wir oft mit KMU zu tun, welche langfristig denken. Viele dieser Unternehmen sind im Besitz von Einzelpersonen oder Familien, welche lange Amortisationszeiten problemlos in Kauf nehmen. Oft wird in solchen Unternehmen auch in Generationen gedacht, was insbesondere bei der aktuellsten Herausforderung des Klimawandels sehr wichtig ist. Solche Firmen investieren dann gezielt in Energieeffizienz, erneuerbare Energien oder Ressourceneffizienz, um den firmeneigenen CO2-Fussabdruck zu minimieren. Erfreulicherweise gibt es auch Firmen, welche sich dem Ziel der Klimaneutralität verschreiben. Etwas anders ist die Situation leider bei Unternehmen, welche hauptsächlich dem Shareholder-Value verpflichtet sind. Dem Management dieser Firmen geht es vor allem darum die Gewinne zu optimieren. Leider wird dabei oft auf langfristig rentable Investitionen verzichtet. Bei diesen Firmen ist die gesellschaftliche Verantwortung und damit auch die Ökologie leider oft nur ein «grünes Mäntelchen» und nicht teil der Firmenwerte. Ich finde jedoch, dass auch wir alle als Konsumenten dazu verpflichtet sind, hinter die Fassade von Firmen zu schauen und uns zu informieren, wer es wirklich ernst meint mit der Ökologie.

KMU innovativ GmbH: Inwieweit würden Sie der Aussage zustimmen, dass Unternehmen welche eine optimierte Öko-Bilanz erzielen, mindestens so profitabel (wenn nicht sogar profitabler) operieren können wie herkömmliche – nicht ökologisch optimierte Unternehmen? Christian Frank: Kunden sind oft bereit für ökologisch einwandfreie Produkte mehr zu bezahlen. Bioprodukte sind ein gutes Beispiel hierfür. Folglich führt eine gute Ökobilanz in der Regel zu höheren Erträgen. Dennoch ist ein weiterer Aspekt zu beachten. Kurzfristig sind ausschliesslich dem Shareholder-Value verpflichtete Firmen – rein monetär betrachtet – vielleicht profitabler. Die externen Effekte der Wirtschaftstätigkeit werden jedoch irgendwann auf uns als Gesellschaft zurückfallen. Ein Beispiel: Unsere Atomkraftwerke waren 40-60 Jahre lang scheinbar profitabel. Nun zeichnet sich jedoch ab, dass der Rückbaufonds allenfalls nicht ausreicht und die Frage der Endlagerung des Atommülls nicht geklärt ist. Der Steuerzahler wird dafür aufkommen müssen. Deshalb finde ich es umso wichtiger, dass Firmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind, externe Effekte ihrer Tätigkeit minimieren und langfristig denken. Im Beratungsgespräch mit den Firmen finden wir oft Ansatzpunkte, um durch ökologischere Produktionsweise auch langfristig Wert zu generieren.

KMU innovativ GmbH: Welche Grundsatzempfehlungen geben sie KMUs (aller Branchen) welche die eigene Öko-Bilanz nun optimieren möchten? Christian Frank: Zuerst einmal ist dies Chefsache, da die meisten Massnahmen durch das leitende Gremium entschieden oder zumindest mitgetragen werden müssen. Es lohnt sich, fernab der operativen Tätigkeit, beispielsweise bei einer jährlichen Managementretraite, Zeit dafür einzuplanen. In einer fundierten Analyse – gegebenenfalls unter Beizung einer externen Fachperson – empfiehlt es sich, die wichtigsten Umweltkennzahlen der vergangenen Jahre zu erfassen. Ich denke da an Stromverbrauch, Öl-/Gasverbrauch, Heizkosten, Papier- & Abfallmenge, Abfallkosten, Treibstoffverbrauch, Wasserkosten, usw. Oft werden bei deren Auswertung erste Massnahmen offensichtlich. Gehen trotz weniger Umsatz beispielsweise die Abfallkosten in die Höhe, sollte man der Ursache auf den Grund gehen. Anschliessend geht es darum laufend zu optimieren und in gewissen zeitabständen auch grössere Erneuerungen anzugehen. Hier sind beispielsweise die Einführung des papierlosen Büros oder grössere Investitionen in Gebäude bzw. Maschinen zu erwähnen. Um im Prozess Kontinuität zu gewährleisten, sollen Erfolge laufend an Mitarbeitende, Kunden und weitere Anspruchsgruppen kommuniziert und neue Ziele gesetzt werden. hemenspezifisch existieren zahlreiche von der öffentlichen Hand mitfinanzierte Beratungsangebote wie im Energiebereich www.peik.ch (für KMU), www.act.ch und www.enaw.ch (für grössere Verbraucher) oder www.reffnet.ch zur Förderung der Ressourceneffizienz. Gerne helfen wir Unternehmen aus dem Kanton Luzern, die richtige Vorgehensweise zu finden.

Herzlichen Dank Herr Frank. Interviewer; Thomas Schürch (KMU Strategieberater).

Praxis-Beispiele