Balthasar + Co. AG

Alois Müller (Leiter Innovationen)

Alois Müller, Balthasar + Co. AG

KMU innovativ GmbH: Herr Müller, welche ökologischen Massnahmen setzt die Balthasar + Co. AG bei der Herstellung von Kerzen heute bereits um, und welche sind geplant? Alois Müller: Schon vor einigen Jahren hat unser Unternehmen mit grossen Investitionen in eine ganzheitlich angelegte Infrastruktur die Basis für eine nachhaltig orientierte Produktion geschaffen. Mit geringem Energieaufwand werden heute die Rohstoffe bei idealen Temperaturen in den optimal isolierten und IT-gesteuerten Tanks flüssig gehalten. Der Produktionsprozess konnte weitestgehend optimiert werden und führte zu beträchtlichen Einsparungen bei Energie und Abfall. Zur Kühlung der Kerzen unmittelbar vor dem Verpacken wird Seewasser eingesetzt. Aktuell laufen Projekte in den Bereichen nachwachsende Rohstoffe und Verpackungen sowie für das Vermeiden von Abfällen oder deren sinnvolle Wiederverwertung.

KMU innovativ GmbH: Besteht in Ihrem Unternehmen heute bereits eine Strategie (Ziele, Visionen) sowie gezielte Massnahmen, die Verpackungen Ihrer Produkte grundsätzlich zu reduzieren und/oder ökologischer zu gestalten? Alois Müller: Eine gezielte Strategie ist in Bearbeitung. Aus rein ökonomischen Gründen ist das Unternehmen seit jeher bestrebt, die Verpackungen sinnvoll auf ein Niveau zu reduzieren, welches den notwendigen Produkteschutz, die erforderlichen Kennzeichnungen, etc. vernünftig gewährleistet. Im Weiteren gelten natürlich die Verpackungsrichtlinien und Label-Vorgaben unserer Kunden, die auch bezüglich Nachhaltigkeit laufend aktualisiert werden. Konkret werden derzeit im Unternehmen alle Plastikverpackungen auf Verzicht oder mögliche Alternativen geprüft.

KMU innovativ GmbH: Werden in Ihrem Unternehmen gebrauchte Kerzen zurückgenommen und wiederverwertet? Besteht diesbezüglich ein konkreter Massnahmenkatalog? Alois Müller: Nein, es besteht weder ein Sammelsystem noch eine Wiederverwertung von gebrauchten Kerzen und ausser einer losen Idee auch keine Strategie und kein konkreter Massnahmenplan. Die Rücknahme und Verwertung von Kerzenresten müsste sowohl aus ökologischer wie ökonomischer Sicht noch genauer geprüft werden. Ob der Aufwand für das Sammeln, Transportieren, Einschmelzen, Reinigen, etc. in einem sinnvollen Verhältnis mit dem Nutzen steht, ist unklar. Zu berücksichtigen gilt zudem, dass bezüglich Emissionen (z.B. Russ) beim Abbrand von Kerzen strenge Richtlinien bestehen und unreine Kerzenreste die Limiten mit Sicherheit übersteigen würden. Unser Unternehmen ist allerdings bestrebt, durch optimale Einstellung von Rohstoffen, Dochten, Farben, etc. möglichst wenig Restmaterial zu generieren.

KMU innovativ GmbH: Beim stark wachsenden Onlinehandel werden einzelne Produkte aus transportsicherheits- und frischhalte Gründen mit grossem Aufwand verpackt. Auch sind Retournahmen vor allem von Transportgefässen oder der gezielte Einsatz von Mehrwegbehältern meist (noch) nicht sichergestellt. Hat der stationäre Detailhandel hierin seine lang ersehnte Chance gegenüber dem online Handel, indem er das Potential zu einer besseren Öko-Bilanz birgt? Und, wie stellen Sie sich als Zulieferer von non-food Konsumgütern darauf ein? Alois Müller: Die Öko-Bilanz des Einkaufs hängt m.E. von den Umständen ab. Bestellt ein Kunde auf dem Lande mehrere Produkte beim gleichen Händler online, fällt die Bilanz wohl günstiger aus, als wenn er mit dem Auto auf Einkaufstour geht und in verschiedenen Läden seine Einkäufe macht – vorausgesetzt, der Onlinehändler bedient im gleichen Dorf gleich mehrere Kunden. Macht er seine Einkäufe allerdings mit dem Fahrrad, fällt diese Bilanz besser aus. Grundsätzlich sind gebündelte Einkäufe, sowohl online als auch stationär, der Schlüssel für bessere Öko-Bilanzen beim Einkauf. Unser Unternehmen verfolgt die Diskussionen und Erkenntnisse rund um die Omnichannel-Strategien und die Entwicklung von neuen Shop-Konzepten sehr intensiv und wird ab nächstem Jahr mit einem eigenen Store und B2C-Konzept wertvolle Informationen aus erster Hand gewinnen, die natürlich wiederum auch für das B2B-Geschäft eingesetzt werden können.

KMU innovativ GmbH: Inwieweit würden Sie der Aussage zustimmen, dass Unternehmen welche eine optimierte Öko-Bilanz erzielen, mindestens so Profitabel (wenn nicht sogar profitabler) operieren können wie herkömmliche, nicht ökologisch optimierte Unternehmen? Alois Müller: Diesbezüglich bin ich der festen Überzeugung, dass mit einer optimierten Öko-Bilanz die Resultate mindestens gleich profitabel ausgewiesen werden können. Mitentscheidend wird jedoch sein, wie überzeugend es gelingt, die Massnahmen und den Beitrag für eine sauberere Umwelt den Kunden und Konsumenten zu kommunizieren und einen entsprechenden Mehrwert zu erzielen.

Herzlichen Dank Herr Müller. Interviewer; Thomas Schürch (KMU Strategieberater).

Praxis-Beispiele